Fürs Studium von Kolumbien in die Schweiz

Emiliana Rickenmann kam fürs Studium von Kolumbien in die Schweiz.

Die Auslandschweizerin Emiliana Rickenmann ist in Kolumbien aufgewachsen und für ihr Studium in die Schweiz gezogen – für sie bedeutet dies ein grosses Privileg und zugleich Verantwortung. Zwischen zwei Welten erkennt sie, wie eng globale Entscheidungen und lokale Realitäten verknüpft sind, und beginnt, Brücken zwischen ihrer Herkunft und der Schweiz zu schlagen.

«Kolumbien zu verlassen, um in der Schweiz zu studieren, ist ein Privileg: Landesgrenzen problemlos überschreiten zu können, Zugang zu einer der besten Universitäten der Welt zu erhalten, in einer anderen Sprache zu lernen und Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichem Hintergrund kennenzulernen.

Doch dieses Privileg bedeutet auch Verantwortung – nämlich: darüber nachzudenken, wie man diese wertvollen Chancen nutzt. Schon bald habe ich mich gefragt, welche Rolle ich dabei spiele und welchen Sinn dieser Weg hat.

Schweizerschule in Kolumbien

Ich bin in Kolumbien aufgewachsen und habe dort eine Schweizerschule besucht. Ein sehr privilegiertes Umfeld in einem Land, das von tiefen sozialen, territorialen und ökologischen Ungleichheiten geprägt ist. Obwohl ich in einer von Empathie und kritischem Denken geprägten Familie aufgewachsen bin, war ich dennoch Teil dieser sozialen Blase.

Zu Hause haben wir immer Spanisch gesprochen. An der Schweizerschule in Bogotá habe ich Französisch gelernt und die Schweizer Kultur entdeckt. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Unterrichtsstunden während der Primarschule, die ganz der Schweizer Kultur gewidmet waren. So kenne ich noch heute alle Kantonsflaggen.

Als ich klein war, besuchte ich mit meiner Familie meine entfernten Verwandten in der Schweiz. Später lernte ich im Rahmen einer Schulreise einen grossen Teil der Schweiz kennen. Als ich für mein Studium in die Schweiz zog, halfen mir diese Erfahrungen, mich schnell einzuleben. Auch wenn es natürlich bedeutende Unterschiede gibt, mit denen man sich auseinandersetzen muss.

Emiliana Rickenbach (am Tischkopf) mit Bekannten und Freunden in der Schweiz.

Mein doch recht internationales Studium ermöglichte es mir, auch lateinamerikanische Freunde zu finden. Mit ihnen habe ich sogar einen spanischsprachigen Verein an der Universität Genf gegründet. Ich denke, das ist das Wesentliche – auch wenn eine andere Sprache und Kultur zunächst Barrieren mit sich bringen, ist es wichtig, Orte und Netzwerke zu finden, die einem helfen, mit dem eigenen Herkunftsland verbunden zu bleiben. Es geht auch darum, die Unterschiede zwischen hier und dort zu schätzen und daraus zu lernen.

Ich habe einen Bachelor in internationalen Beziehungen an der Universität Genf absolviert. Dieses Studium ermöglichte es mir, eine andere «Welt» zu entdecken, die oft als neutral, stabil und fernab von Krisen wahrgenommen wird.

Im Laufe der Vorlesungen, Konferenzen und Begegnungen begann ich jedoch zu verstehen, welche zentrale Rolle die Schweiz in der globalen Wirtschafts-, Finanz- und Politikdynamik spielt. Hier finden sich Institutionen und Akteure, deren Entscheidungen und Investitionen sehr konkrete Auswirkungen auf andere Regionen der Welt haben – Verbindungen, die für einen Grossteil der Bevölkerung oft unsichtbar bleiben.

Globale Auswirkungen lokaler Entscheidungen

Nach und nach habe ich meinen Platz an der Schnittstelle dieser Realitäten gefunden: Darin, lokale Erfahrungen in internationale Räume zu übertragen, wo sie oft fehlen oder unsichtbar bleiben. Was hier als rein finanzielle oder wirtschaftliche Entscheidung erscheinen mag, nimmt anderswo eine ganz andere Dimension an.

Während meines Studiums hatte ich auch die Gelegenheit, mit Organisationen mit Sitz in der Schweiz zusammenzuarbeiten, die mit dem Ziel gegründet wurden, Brücken zwischen den betroffenen Gebieten und internationalen Entscheidungsgremien zu schlagen. Ich konnte meine Beziehungen zu kolumbianischen und lateinamerikanischen Gemeinschaften vertiefen, die gekommen waren, um Zeugnis abzulegen, Gewalt anzuprangern und ihre Gebiete zu verteidigen.

Diese Erfahrungen haben es mir ermöglicht, von hier aus dazu beizutragen, Praktiken ans Licht zu bringen, die anderswo stattfinden, insbesondere im Zusammenhang mit Rohstoffprojekten grosser, in Lateinamerika tätigen Unternehmen, wie beispielsweise in der Region Cerrejón, einem der grössten Tagebau-Kohlebergwerke der Welt. Vor allem haben sie mir geholfen, konkret zu verstehen, wie globale Mechanismen mit lokalen Realitäten zusammenhängen.

Emiliana Rickenmann aus Kolumbien kam für das Studium nach Genf. Hier posiert sie vor dem Palais des Nations.

Beratung und Unterstützung durch educationsuisse

Das Studium in Genf war auch eine zutiefst menschliche Erfahrung. Ich habe dort Menschen aus sehr unterschiedlichen Welten, Kulturen und Lebensrealitäten kennengelernt, die sich stark von meinen eigenen unterschieden. Diese Freundschaften, dieser Austausch und diese Solidarität über Grenzen hinweg haben sowohl meinen persönlichen als auch meinen akademischen Werdegang geprägt.

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, einen Master in «International and Development Studies» in der Schweiz zu absolvieren. Nicht, um mich von meinen Wurzeln im Land, wo ich aufgewachsen bin, zu entfernen, sondern um diese Verbindungen noch weiter zu stärken. Denn ich bin überzeugt, dass hier noch viel zu tun bleibt, um den globalen Verpflichtungen, die wir tragen, gerecht zu werden.

An dieser Stelle möchte ich auch meinem Heimatkanton Zürich herzlich danken, der mich während meines Studiums in der Schweiz mit Stipendien unterstützt hat, und educationsuisse für die stetige Beratung und Unterstützung.»

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