Job-Shadowing an Schweizerschule São Paulo

Lehrpersonen aus Basel-Stadt an der Schweizerschule in São Paulo im Rahmen eines Job-Shadowing-Projekts

Anfang April 2026 fand an der Schweizerschule São Paulo eine einwöchige Hospitation unter Lehrpersonen aus dem Patronatskanton Basel-Stadt und Brasilien statt. Ziel war es, Einblick in den schulischen Alltag an der Schweizerschule zu gewinnen und professionellen Austausch zu ermöglichen; ermöglich wurde es im Rahmen eines Job-Shadowing-Projekts von Movetia, der schweizerischen nationalen Agentur zur Förderung von Austausch und Mobilität im Bildungsbereich.

Der Austausch war für die Lehrpersonen als Job‑Shadowing im laufenden Unterrichts konzipiert und damit fest in den regulären Schulbetrieb integriert. Die zwölf Lehrpersonen aus der Schweiz nahmen an den Lektionen ihrer schweizerischen und brasilianischen Kolleg:innen teil.

Sie erhielten Einblick in Methodik, Didaktik und Unterrichtsorganisation sowie in die schulischen Rahmenbedingungen einer schweizerischen Gesamtschule, die mit IB (International Baccalaureate) Diploma Programme und brasilianischem Vestibular abgeschlossen werden kann.

Co-Teaching und eigene Lektionen

Der strukturierte Wochenplan sah Hospitationen in unterschiedlichen Klassen und Fachbereichen vor. Gleichzeitig bestand die Möglichkeit, das eigene Programm flexibel zu gestalten und am Unterricht über Co-Teaching oder der Gestaltung eigener Lektionen aktiv teilzunehmen.

Dies wurde von den Teilnehmenden bewusst für die individuelle fachliche Schwerpunktsetzung genutzt. Methodische und interkulturelle Weiterbildung standen dabei gleichermassen im Mittelpunkt. „Ich habe mir mein eigenes Programm zusammenstellen dürfen und habe von der Erfahrung der Lehrpersonen, besonders in den IB-Kursen, profitieren können“, heisst es in einer der begeisterten Rückmeldungen.

Im Unterricht selbst wurde deutlich, dass der schulische Alltag für Lehrpersonen wie Schüler:innen in Brasilien durch ein hohes Arbeitstempo und eine hohe inhaltliche Dichte geprägt ist. Ein grosse Anzahl Pflichtlektionen erfordert ein anderes Arbeiten und Vorbereiten der Lehrpersonen als in der Schweiz üblich.

Die begrenzten zeitlichen Ressourcen setzen den Rahmen für zusätzliche Koordinationsprozesse ausserhalb der gehaltenen Lektionen. Der grösste Erkenntnisgewinn für die Gäste lag im Beobachten und Vergleichen professioneller Praxis.

Diverse und offene Schulkultur

Auch die Situation der Schüler:innen in einem mehrsprachigen und kulturell vielfältigen Umfeld wurde thematisiert. Unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen werfen ein Licht auf die besonderen pädagogischen Anforderungen einer internationalen Schule.

„Ich denke, die Schüler:innen sind in der Interaktion mit uns sehr gefordert, wenn sie nicht schon von zuhause aus Deutsch oder Englisch sprechen. Aber sie sind in jedem Fall offen, freundlich, wissbegierig und begegnen uns mit grossem Vertrauen.“ Ein klares Anzeichen für die diverse und offene Schulkultur an der Schweizerschule in São Paulo.

Die Lehrpersonen aus dem Patronatskanton Basel-Stadt mit Maurus Sommerer, Direktor der Schweizerschule in São Paulo (erster von links)

Die Unterbringung bei Gastfamilien ist als wichtiger Bestandteil des Austauschs hervorzuheben. Für die Gäste aus der Schweiz bot sich nicht zuletzt dadurch ein Einblick in Kontext und Lebensrealität der brasilianischen Gesellschaft.

Die Aufnahme der Besucher:innen an der Schule und im privaten Umfeld der gastgebenden Lehrpersonen wurde als sehr offen und gut organisiert wahrgenommen. Eine teilnehmende Lehrperson hält fest: „Ich bin unglaublich herzlich aufgenommen worden. Die Grosszügigkeit und geschenkte Aufmerksamkeit meiner Gastfamilie und der Schweizerschule war ein großartiges Erlebnis und ich bin voller Dankbarkeit.“

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Movetia Job-Shadowing-Projekt an der Schweizerschule in São Paulo einen differenzierten Einblick in den schulischen Alltag der Bildungseinrichtung und in die Lebensrealität von Lehrpersonen und Schüler:innen ermöglichte. Der Austausch bot Gelegenheit zur fachlichen Beobachtung, zur Reflexion unterschiedlicher Unterrichtsformen und zur Auseinandersetzung mit strukturellen Rahmenbedingungen.

Besonders deutlich wurde, dass der Mehrwert des Projekts nicht nur in kurzfristiger Mitwirkung liegt, sondern in der professionellen Reflexion, die durch unmittelbare Erfahrung und direkten Austausch entsteht und dem nachhaltigen schulischen Dialog über Ländergrenzen hinaus weiter dient.

Autor:innen: Sabine Brudsche (Primarschule Basel) und Dennis Weber (Gymnasium Bäumlihof, BS)

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