Von Italien in die Schweiz zur Pferdefachfrau

Pferdefachfrau Nora Schlatter kam für die Ausbildung aus Italien in die Schweiz

Die Auslandschweizerin Nora Schlatter ist in einem kleinen Dorf im Piemont aufgewachsen. Nach der obligatorischen Schulzeit beschloss sie, in die Schweiz zu ziehen, um eine Lehre als Pferdefachfrau mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis zu absolvieren. educationsuisse hat mit ihr über ihre Erfahrungen als Lernende und ihr Leben in der Schweiz gesprochen.

Sie kamen im Alter von 15 Jahren in die Schweiz, also sehr jung. Erzählen Sie uns, was Sie dazu bewegt hat, eine Lehre in der Schweiz zu machen.
Meine Leidenschaft für Pferde war der Grund für meinen Umzug. In Italien gibt es zwar verschiedene Kurse, sie sind jedoch ganz anders organisiert als die Berufslehren in der Schweiz, wo auch das Angebot an beruflichen Ausbildungen viel vielfältiger ist als in Italien.

War es schwierig eine Lehrstelle zu finden? Und warum haben Sie sich gerade für die Ausbildung zur Pferdefachfrau entschieden?
Ich habe in der Schweiz nach Reithöfen gesucht, in denen ich gerne eine Lehre absolviert hätte und habe ihnen meinen Lebenslauf geschickt. So wurde ich von einigen für ein Praktikum eingeladen, um den Reithof, die Menschen und ihre Philosophie kennenzulernen. Ja, es war einfach für mich, einen Ausbildungsplatz zu finden, da ich bereits über Erfahrung in der Pferdewelt besass.

Ich habe auch in anderen Berufsbereichen Praktika absolviert: in einem Kindergarten, in einer Konditorei, in einem Fitnessstudio und in einer Gastronomieküche. Keiner dieser Berufe hat mich fasziniert. Ich habe seit meiner Kindheit eine Leidenschaft für Pferde, so habe ich beschlossen, den Beruf der Pferdefachfrau zu erlernen.

Die Auslandschweizerin Nora Schlatter zu Ross in Avenches.

Bitte erzählen Sie uns, wie sich ihre Lehre, während der sie auf dem Reithof arbeiteten und die Schule besuchten, abgespielt hat.
Während den drei Lehrjahren bestand meine Woche aus vier Arbeitstagen und einem Schultag. Die sogenannten Überbetrieblichen Kurse auf zertifizierten Reithöfen besuchte ich während fünf Tagen im Jahr. Die Schultage waren Zeiten, wo ich mit Gleichaltrigen austauschen konnte.

War Ihre Arbeit auf dem Pferdebetrieb immer gleich?
Die Arbeiten waren sehr vielfältig! Natürlich gab es tägliche Aufgaben wie das Putzen der Ställe und das Füttern der Pferde. Aber die restlichen Arbeitsstunden waren sehr unterschiedlich. Im Frühling galt es zu Heuen und im Sommer kamen viele Kinder während ihren Sommerlagern. An manchen Tagen gab es Pferde, die kleine Wundverbände oder Bandagen benötigten, an anderen Tagen assistierte ich dem Hufschmied, unterrichtete die Reitschüler:innen oder half beim Pferdetraining.

Was hat Ihnen während der Lehre besonders gefallen?
Die Lehre ermöglicht es, Arbeit und Schule zu alternieren. Und dieser Wechsel zwischen den beiden Welten gefällt mir sehr gut.

Die Lernenden erhalten einen kleinen Lohn, der nicht zum Leben reicht. Wie haben Sie alle Ihre Ausgaben gedeckt?
Effektiv genügte mein kleiner Lohn nicht zum Leben. Glücklicherweise konnte ich ein Stipendium von meinem Heimatkanton Bern erhalten. educationsuisse hat mir dabei geholfen, das Gesuch beim Kanton einzureichen. Ohne ein Stipendium wäre es für mich schwierig gewesen, meine Ausbildung in der Schweiz absolvieren zu können.

Im Juli 2025 haben Sie Ihre Lehre mit dem Diplom EFZ (eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) abgeschlossen. Erzählen Sie uns etwas von den Abschlussprüfungen?
Rückblickend an die Prüfungen zu denken ist sehr schön, denn man sieht, was man in den drei Lehrjahren gelernt hat. Die Abschlussprüfungen waren für mich nicht besonders schwierig, da ich in den ersten zwei Lehrjahren immer gut die Unterrichtsstunden verfolgt und Zusammenfassungen geschrieben habe. Diese Lernweise erleichterte meine Arbeitsbelastung und verringerte die Anspannung im dritten Jahr.

Darf ich fragen, was Sie jetzt gerade tun und wie Ihre Zukunftspläne aussehen?
Zurzeit bin ich in Frankreich. Seit September bin ich mit einer Freundin auf Reisen. Dieses Abenteuer machen wir mit «Workaway», das heisst, wir arbeiten ein paar Stunden und erhalten dafür Kost und Logis. Auf unserer Reise haben wir viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensstilen und faszinierenden Geschichten kennengelernt. Auf dem Pferdehof, wo wir uns aktuell befinden, können wir durch unsere Aufgaben unsere Erfahrung mit Pferden vertiefen.

Unsere letzte Reise wird uns im Mai nach Japan führen. Danach kehre ich in die Schweiz zurück und werde an einigen Musikfestivals arbeiten, wie ich es auch schon früher gemacht habe.

Und grosse Neuigkeit: ab August werde ich in Thun in Teilzeit wieder zur Schule gehen, um die Berufsmaturität zu machen.

Nach der abgeschlossenen Lehre zur Pferdefachfrau EFZ, wird Nora Schlatter ab August dieses Jahres für die Berufsmaturität die Schulbank drücken.

Welchen Rat möchten Sie einer jungen Auslandschweizerin oder einem jungen Auslandschweizer geben, wenn diese eine Berufslehre in der Schweiz absolvieren möchten?
Während der Berufslehre ist man eine lange Zeit von zu Hause weg und die Arbeitstage sind lang und manchmal anstrengend. Deshalb ist es wichtig, im Alltag selbstständig und unabhängig zu sein. Dein Einsatz wird mit einer guten Berufsausbildung belohnt, die dir die Türen zur Zukunft öffnet. Du wirst neue Bekanntschaften schliessen und Freundschaften fürs Leben knüpfen.

Teilen

Das Beste aus zwei Welten

Bleiben Sie über Neuigkeiten aus der Welt der Schweizerschulen im Ausland informiert und abonnieren Sie unseren Newsletter!

Weiter

Weiterbildungsangebot Jahreskonferenz 2026

Exklusive Weiterbildung für Führungspersonen an Jahreskonferenz 2026

Ressourcen stärken, Sprachintegration mit KI erleichtern und politische Bildung in polarisierter Welt souverän vermitteln....
Auslandschweizer Lukas Gretener aus Frankreich macht Lehre und Studium in der Schweiz

Auslandschweizer zwischen Frankreich und Schweiz

Lukas Gretener fand über das Holztechnikstudium in Biel zurück zu seinen Wurzeln....

Das Beste aus zwei Welten

Bleiben Sie über Neuigkeiten aus der Welt der Schweizerschulen im Ausland informiert und abonnieren Sie unseren Newsletter!

Weiterbildungsangebot Jahreskonferenz 2026
Exklusive Weiterbildung für Führungspersonen an Jahreskonferenz 2026

Ressourcen stärken – gesundheitsfördernde Schulkultur
Sprachintegration mit KI erleichtern – Spracherwerb und Mehrsprachigkeit
Politische Bildung in polarisierter Welt souverän vermitteln – Querschnittsaufgabe des LP21

15 Schulleitungen, Rektor:innen und Leiter:innen Bildung haben an dieser zweitägigen Weiterbildung die exklusive Möglichkeit, sich mit Schulleitungen und Präsidien der 17 vom Bund anerkannten Schweizerschulen im Ausland sowie Bildungspersönlichkeiten aus der Schweiz über «Führen mit Weitblick und Wirkung» auszutauschen und zu vernetzen.

Drei Themen, ein gemeinsames Ziel: wirksame Führung!

Anmeldeschluss: 17. Mai 2026