Auslandschweizer zwischen Frankreich und Schweiz

Auslandschweizer Lukas Gretener aus Frankreich macht Lehre und Studium in der Schweiz

Als Auslandschweizer im Burgund aufgewachsen, stand Lukas Gretener lange zwischen zwei Welten – in Frankreich «le Suisse», in der Schweiz «der Franzose». Über die Zimmermannslehre und das Holztechnikstudium in Biel fand er zurück zu seinen Wurzeln – und zu einer Leidenschaft, die Natur und Technik verbindet.

«Ich bin als Auslandschweizer in Frankreich aufgewachsen. Meine Eltern verliessen die Schweiz kurz nach meiner Geburt und liessen sich im ländlichen Burgund nieder. Dort kauften sie einen alten Bauernhof, den sie über die Jahre hinweg renovierten. Meine Kindheit verbrachte ich mitten in der Natur, umgeben von Tieren, Feldern und Wäldern.

Als ich in den Kindergarten kam, sprach ich kein Wort Französisch, da wir zu Hause immer zusammen auf Schweizerdeutsch sprachen. Der Einstieg ins Schulsystem war somit nicht einfach. Lange hörte ich nur zu und beobachtete. Mit der Zeit fand ich mich gut zurecht, doch ich blieb immer «le Suisse» – der Schweizer.

Elitär und theoretisch

Dieses Anderssein begleitete mich durch meine Schulzeit und prägte mein Selbstverständnis. Ich gehörte dazu und war doch nie ganz gleich.

Erst während der Matura wurde mir bewusst, dass mir das französische Schulsystem nicht wirklich entsprach. Es ist stark elitär geprägt und sehr theoretisch ausgerichtet; berufliche Ausbildungen und insbesondere die Lehre haben einen deutlich geringeren Stellenwert.

Mir fehlte zunehmend der Praxisbezug. Rückblickend war diese Erkenntnis ein wichtiger Auslöser für meinen weiteren Weg.

Auslandschweizer Lukas Gretener wuchs in Frankreich auf und fand in Biel zu seinen Wurzeln zurück.

Mit 15 Jahren erlebte ich einen tiefen Einschnitt in meinem Leben: Mein Vater verstarb unerwartet. Dieses Ereignis veränderte vieles und verstärkte in mir den Wunsch nach einem Neuanfang. Nach meiner französischen Matura entschied ich mich, mit 18 Jahren, Frankreich zu verlassen und in die Schweiz zurückzukehren.

Obwohl die Schweiz meine Heimat war, fühlte sie sich zunächst fremd an. Während ich in Frankreich «der Schweizer» gewesen war, wurde ich hier plötzlich «der Franzose». Ich begann eine Lehre als Zimmermann und absolvierte parallel die Berufsmatura.

Diese Jahre waren intensiv, aber prägend. Ich lernte nicht nur einen Beruf, sondern entdeckte auch meine Begeisterung für den Werkstoff Holz. Besonders beeindruckte mich der nachhaltige Umgang der Schweiz mit ihren Waldressourcen, den ich bis heute sehr bewusst wahrnehme – vor allem, wenn ich draussen in der Natur unterwegs bin.

Vom Studium zur Liebe

Nach mehreren Jahren Berufserfahrung entschied ich mich für ein Studium der Holztechnik an der Berner Fachhochschule in Biel. Dieser Schritt war nur dank der Unterstützung von educationsuisse und eines Stipendiums meines Heimatkantons Zug möglich.

Das Studium eröffnete mir neue Perspektiven – fachlich wie persönlich. In dieser Zeit lernte ich meine heutige Partnerin kennen. Gemeinsam konnten wir ein Praktikum in Indonesien absolvieren und dort unsere Bachelorarbeiten schreiben, was meinen Blick auf Ausbildung und internationale Zusammenarbeit erweiterte.

Nach erfolgreichem Studium träumt Lukas Gretener aus Frankreich davon, eines Tages Bergführer zu sein.

Heute blicke ich dankbar auf meinen Weg zurück: vom Auslandschweizer in Frankreich über die Lehre bis zum Ingenieurstudium in der Schweiz. Die unterschiedlichen Mentalitäten Frankreichs und der Schweiz – dort das Geniessen des Lebens, hier die starke Arbeitskultur – haben mich geprägt. Aus beiden Welten konnte ich wertvolle Aspekte mitnehmen.

Nach Studium und Zivildienst bin ich jetzt nochmals unterwegs, bevor ich eine Stelle als Projektleiter in Bern antrete. Die Berge, die ich mit der Schweiz lieben gelernt habe, begleiten mich dabei ebenso wie der weiter gefasste Traum, eines Tages Bergführer zu werden.»

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