Das Abenteuer einer Lehrerin an der Schweizerschule in Mailand

Lehrerin Romana Steck an Schweizerschule in Mailand

Romana Steck ist seit 9 Jahren Primarschullehrerin. Seit dem Schuljahr 25/26 arbeitet sie als Klassenlehrerin der 3. Klasse an der Schweizerschule Rahn Education in Mailand. Im Gespräch mit educationsuisse spricht die 30-jährige Berner Oberländerin über ihre Beweggründe, im Ausland zu unterrichten und verrät den nachhaltigen Mehrwert ihrer Auslandserfahrung.

Was hat dich motiviert, an einer Schweizerschule im Ausland zu arbeiten?
Ich reise sehr, sehr gerne und ich lerne sehr gerne andere Länder und Kulturen kennen. Ich höre und spreche gerne andere Sprachen. Und überhaupt wollte ich schon immer im Ausland arbeiten.

So schaute ich mir die letzten zehn Jahre alle möglichen Jobs im Ausland an, darunter auch Freiwilligenarbeit. Letzten Endes wurde ich auf der Job-Plattform von educationsuisse fündig. Im Januar vor einem Jahr bewarb ich mich und im September trat ich die Stelle an.

Das ist sportlich. Wie hast du den Umzug so rasch vollzogen?
Es gab in dieser Zeit tatsächlich sehr viel zu organisieren, und ich erhielt von verschiedenen Seiten Unterstützung. educationsuisse unterstützte in organisatorischen Angelegenheiten wie An- und Abmelden oder Krankenkasse und Pensionskasse.

Die Schule empfahl eine Website für die Wohnungssuche; da wurde ich rasch fündig. Und dank ihres Buddy Systems habe ich seit Beginn eine feste Ansprechperson für alles Pädagogische.

Generell sind alle äusserst hilfsbereit, auch die Kolleginnen und Kollegen. Zudem habe ich das Glück, dass es hier an der Schule viele Lehrpersonen gibt, mit denen ich mich richtig gut verstehe. Wir treffen uns auch privat und gehen an den Wochenenden in den Park, machen einen Ausflug oder verabreden uns für ein Nachtessen oder Aperitif.

Lehrerin Romana Steck an Schweizerschule in Mailand
Romana Steck (rechts im Bild) mit Kolleg:innen in der Kaffeepause. Sie treffen sich regelmässig auch ausserhalb der Schule.

Warum hast du dich ausgerechnet für Italien und nicht etwa Thailand oder Peru entschieden? Etwa weil du Italienisch sprichst?
(lacht) Zum Zeitpunkt der Bewerbung sprach ich noch kein Italienisch, nein. Ich fand Italienisch aber schon immer eine wunderschöne Sprache und wollte sie besser beherrschen. Mit der Bewerbung meldete ich mich sogleich für einen Italienischkurs bei der Migros Klubschule an.

Mittlerweile funktioniert das sehr gut mit dem Italienisch. Ende November fanden die Elterngespräche statt, auf Italienisch notabene.

Diese grossen Fortschritte habe ich auch den Kindern zu verdanken. Denn die Muttersprache der meisten Kinder ist Italienisch und da kommt man automatisch mit der Sprache in Kontakt – und natürlich ebenso im Alltag, ob beim Einkauf, Sport oder Schwatz mit den Nachbarn.

Ein weiterer Grund, warum ich mich für Mailand entschieden habe, ist die Nähe zur Schweiz. Ich bin allein hier, ohne Freund und Familie. Für eine erste Auslandserfahrung finde ich das ideal!

Unterrichtest du auf Italienisch?
Nein, ich unterrichte alle Fächer auf Deutsch, das ist die Lernsprache. Italienisch wird von einer italienisch sprechenden Lehrperson gelehrt.

«Obschon ich wie in der Schweiz auf Deutsch unterrichte, ist der Unterricht hier dennoch anders.»

Romana Steck, Lehrerin Schweizerschule in Mailand

Obschon ich wie in der Schweiz auf Deutsch unterrichte, ist der Unterricht hier dennoch anders. Ja, wir lehren nach dem Schweizer Lehrplan21, aber der Unterricht muss den Sprachkenntnissen der Kinder angepasst werden – gerade auf Primarstufe. Die meisten Kinder sprechen daheim kein Deutsch.

Das erfordert von mir eine neue Herangehensweise, die ich als sehr spannend empfinde und die ich für meine Zukunft zurück in der Schweiz – mit zunehmend fremdsprachigen Kindern im Unterricht – mitnehmen möchte. Ich mache mir heute viel mehr Gedanken, wie ich den Kindern etwas erkläre oder erzähle und welche Wörter ich dafür benutze.

Dies erlaubt mir im Gegenzug sehr kreativ und spontan vorzugehen. Manchmal habe ich das Gefühl, als wenn ich den Stoff weniger mit Worten als mit Inhalten vermittelte – also mit allen mir zur Verfügung stehenden Ressourcen vom Klassenzimmer bis zu mir als Lehrperson im Raum.

Primarlehrerin Romana Steck (Mitte) geht im Unterricht oft kreativ und spontan vor und entdeckt so auch ganz neue Seiten an sich.

Wie würdest du den Vergleich zwischen einer Schweizerschule im Ausland mit einer Volksschule in der Schweiz beschreiben?
Ich finde, es sind zwei Paar Schuhe. Klar, als EDK-anerkannte Lehrperson kenne ich den Lehrplan und die Lehrmittel an einer Schweizerschule im Ausland, und generell sind Kinder Kinder, ob in der Schweiz oder anderswo.

Ja, wir vermitteln Schweizer Werte – aber im Einklang mit der landeseigenen Kultur der Kinder. Und diese prägt bedingt auch den Unterricht und Schulbetrieb. Somit ist eine Schweizerschule im Ausland keine Kopie von einer Schule, wie ich sie bisher in der Schweiz kannte.

Ich nehme diese kulturelle Komponente als sehr lebhaft und offen wahr. Das trug sicherlich auch dazu bei, dass ich mich sehr schnell aufgenommen und als Teil dieser Gesellschaft fühlte.

Zugleich habe ich den Eindruck, dass just diese Lebendigkeit und Offenheit automatisch zu etwas weniger Strukturiertheit und einer etwas höheren Lautstärke führen, als ich es in der Schweiz gewohnt war.

Da merkte ich sehr schnell, dass ich es anders sehen und angehen sollte. Ich kann den Unterricht nicht mit den gleichen Vorstellungen und Ideen wie in der Schweiz gestalten; ich muss ihn dem Umfeld ein bisschen anpassen und dafür kreativ sein und aus meiner Erfahrung schöpfen – sehr spannend!

Wie lautet dein Fazit nach einem Semester an der Schweizerschule in Milano?
Ich finde es wahnsinnig aufregend und bereichernd, jeden Tag! Ich liebe und geniesse dieses internationale Gefühl, das ich hier mit den Kindern und den Lehrpersonen erlebe. So spreche ich mit Lehrperson A Deutsch, mit Lehrperson B Italienisch und mit den Lehrpersonen C und D Englisch beziehungsweise Schweizerdeutsch. Das ist doch fantastisch!

Romana Steck bei der Aufsicht während der Mittagspause.

Und was möchtest du zukünftigen Lehrpersonen an Schweizerschulen im Ausland mit auf den Weg geben?
(überlegt) Sei dir bewusst, dass es Momente geben kann, in denen du dich womöglich allein fühlst, das Unbekannte dich überfordert und du den Entscheid hinterfragst.

Lass dich dennoch auf dieses einmalige Abenteuer ein! Löse dich ein Stück weit von den Vorstellungen, die du aus der Schweiz kennst und lebe im Gegenzug deine Kreativität, Spontanität und Flexibilität aus. Diese einmalige Erfahrung kommt dir beruflich als auch persönlich nur zugute.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

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