Jahreskonferenz 2026 der Schweizerschulen im Ausland

Beeindruckende Berggipfel vor blauem Himmel und grosse Sommerhitze: So präsentierte sich Visp den Schuleiter:innen und Präsident:innen der Schweizerschulen im Ausland. Vom 6. bis 8. Juli wurde das Städtchen im Kanton Wallis zum Treffpunkt für Bildungsakteur:innen aus dem weitumspannenden Netzwerk von educationsuisse. Organisiert wird die jährliche Konferenz von educationsuisse, dem Dachverband der 17 vom Bund anerkannten Schweizerschulen im Ausland.

Ein besonderer Höhepunkt der Jahreskonferenz 2026 war der abschliessende offizielle Konferenztag, der zahlreiche Vertreter:innen der Patronatskantone, Akteure aus der Schweizer Bildungslandschaft sowie weitere Gäste aus Politik und Wirtschaft zusammenbrachte. Der Austausch im erweiterten Netzwerk stand dabei ebenso im Zentrum wie das Fokusthema: politische Bildung – ein Anliegen, das für engagierte Diskussionen und vielfältige Perspektiven sorgte.

Heinz Rhyn eröffnet die Jahreskonferenz 2026 der Schweizerschulen im Ausland
Heinz Rhyn, Präsident educationsuisse, eröffnet die Jahreskonferenz 2026 in Visp im Kanton Wallis.

Heinz Rhyn, Präsident educationsuisse, begrüsste für den offiziellen Teil die Vertreter:innen der Schweizerschulen im Ausland und die zahlreichen Gäste. Er hob hervor, dass die internationale Zusammenarbeit zwischen den Schulen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Ziel ist es, die bestehende Kooperation zu intensivieren, um gemeinsame Interessen zu stärken und die Sichtbarkeit der Schweizerschulen im Ausland zu festigen.

«Die Schweizerschulen im Ausland sind Orte gelebter Demokratie.»

Heinz Rhyn

Zum Leitthema «Politische Bildung als Querschnittsaufgabe des Lehrplans 21» des offiziellen Tages sagte Rhyn: «Unsere Schulen sind mehr als Bildungsinstitutionen: Sie sind Orte gelebter Demokratie. Hier werden kritisches Denken, Urteilsfähigkeit und der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven nicht nur vermittelt, sondern täglich gelebt. Gerade angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung kommt dieser Aufgabe besondere Bedeutung zu.»

David Vitali an der Jahreskonferenz 2026 der Schweizerschulen im Ausland
David Vitali, Leiter Direktionsbereich Bundesamt für Kultur (BAK), betont die zentrale Rolle von educationsuisse bei der Anstellung von Fachkräften an den Schweizerschulen im Ausland.

David Vitali, Leiter Direktionsbereich Bundesamt für Kultur (BAK), betonte in seinen Begrüssungsworten, dass in dieser Zeit des Wandels besonders junge Menschen vor zentralen Fragen zur Zukunft stehen. Schulen – auch die Schweizerschulen im Ausland – spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie vermitteln nicht nur Wissen, sondern fördern Miteinander, Respekt, Dialog und die Fähigkeit, eigene Meinungen verantwortungsvoll zu leben.

Er betonte, dass die Schweizerschulen im Ausland auch Brückenbauerinnen zwischen Ländern und Kulturen sind. Die Schweizer Lehrpersonen und Schweizer Schulleitenden sind authentische Botschafter:innen der Schweizer Bildung. So erklärte Vitali, dass das BAK vor diesem Hintergrund, im Auftrag des Parlaments, einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet habe, der die Lehrpersonen stärker ins Zentrum stellt und educationsuisse eine zentrale Rolle bei der Anstellung und Entsendung zuweist.

Kanton Wallis: Patronatskanton von Schulen in Bogotá und Singapur

Didier Morard, Wallister Grossratsmitgleid
Didier Morard, 1. Vize-Präsident des Walliser Grossen Rates, richtet ein Grusswort an die zahlreichen Gäste.

Didier Morard, 1. Vize-Präsident des Walliser Grossen Rates erklärte in seinem zweisprachigen Grusswort, dass der Kanton Wallis als einziger französischsprachiger Kanton das Patronat nicht nur für eine, sondern gleich für zwei Schweizerschulen im Ausland, Bogotá und Singapur, übernommen hat – in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen deutschsprachigen Patronatskantonen Bern bzw. Zug.

Für Morard ist dabei auch der Erfahrungsaustausch zwischen dem Wallis und den Schulen wichtig. Dies insbesondere für Studierende der PH Wallis, die ein Praktikum an den Patronatsschulen absolvieren können. Er betonte, dass die Schweizerschulen Orte gelebter Demokratie sind.

Angesichts zunehmender Polarisierung ist ihre Rolle entscheidend: Sie vermitteln Kompetenzen für die Zukunft und bilden die Bürger:innen von morgen aus. Morard schloss mit den Worten: «Kulturelle Vielfalt ist dabei eine Stärke – kein Hindernis».

Bogotá und Singapur: geografische und kulturelle Antipoden

Rahel Eckert, Schulleiterin Schweizerschule Singapur, und Thomas Schwarb, Schulleiter Schweizerschule Bogotá, berichteten in einem angeregten Zwiegespräch von ihren Schulen, die beide nahe am Äquator liegen, sich jedoch auf entgegengesetzten Seiten der Erdkugel befinden.

Die Schulen sind auch in ihrer Grösse unterschiedlich: Bogotá, 1949 gegründet, zählt rund 780 Schüler:innen während Singapur, 1967 gegründet, rund 250 Schüler:innen zählt. Letztere bietet den gymnasialen Abschluss an einer Partnerschule an, während in Bogotá mit der Schweizer Maturität abgeschlossen werden kann.

Rahel Eckert und Thomas Schwarz - Schulleiterin in Singapur bzw. Schulleiter in Bogotá - in einem angeregten Gespräch.
Rahel Eckert, Schulleiterin in Singapur, und Thomas Schwarb, Schulleiter in Bogotá, tauschen sich angeregt über ihre Schulen aus.

Beide Schulen verbindet, dass sie sowohl eine deutschsprachige wie auch eine französischsprachige Abteilung führen. Entsprechend sind pro Schule auch je zwei Patronatskantone für die pädagogische Aufsicht gemäss Lehrplan 21 und dem Plan d’études romand PER zuständig.

Die Schulleitenden hoben hervor, dass ihre Schulen den konstruktiven Umgang mit interkulturellen Spannungen als wichtige Stärke betrachten und grossen Wert auf Kompromissbereitschaft legen.

Politische Bildung: kritisches Denken und Demokratiebildung

Prof. Dr. Monika Waldis, Leiterin Zentrum Politische Bildung und Geschichtsdidaktik PH FHNW, stellte einführend zu ihrer Keynote «Kritisches Denken und Demokratiebildung – politische Bildung als transversales Ziel im Lehrplan 21» Kennzahlen u. a. zu Demokratierückgängen und Polarisierung vor: Unter diesen Aspekten arbeiten die Schweizerschulen im Ausland in sehr unterschiedlichen Kontexten.

Waldis erläuterte, dass die politische Bildung zweifach in den Lehrplan 21, nach dem sich auch die Schweizerschulen im Ausland richten, integriert ist: Als überfachliches Thema und als einer von vier Kompetenzbereichen für Geschichte. Sie betonte, dass für die Umsetzung im Unterricht die Ausbildung von Lehrer:innen eine äusserst wichtige Rolle innehat.

Prof. Dr. Monika Waldis hält eine Keynote
Prof. Dr. Monika Waldis betont in ihrer Keynote, wie wichtig die Ausbildung der Lehrperson bei der Vermittlung von politischer Bildung ist.

In Bezug auf die Schweizerschulen im Ausland analysierte Waldis die Konstellationen und Herausforderungen: Der Schweizer Lehrplan hat als Vorgabe die parteipolitische Neutralität, jedoch demokratiebezogene Werte. Die Vermittlung der direkten Demokratie des Schweizer Systems mit seinen Initiativen und Referenden kann schwer verständlich sein, wenn Lernende im Alltag ein völlig anderes politisches System erleben. Und die Lehrpersonen müssen in Bezug auf kulturelle Neutralität den Spagat meistern, schweizerische Werte zu vermitteln, ohne in die parteipolitische Neutralität des Gastlandes einzugreifen.

«Demokrat:innen fallen nicht vom Himmel.»

Prof. Dr. Monika Waldis

Waldis erläuterte anhand von Studien und praktischen Beispielen verschiedene Aspekte wie etwa die Rolle von Familie, Medien und Sozialisierung. Die Ziele politischer Bildung in Demokratien sind die Vermittlung von Wissen über politische Systeme, Prozesse, Prinzipien und Werte wie auch die kritische Analyse von Medien, Gesellschaftsstrukturen und Herrschaftsverhältnissen sowie die Fähigkeit zur politischen Partizipation.

Abschliessend sagte Waldis: «Demokrat:innen fallen nicht vom Himmel.» Die Schweizerschulen leisten hier einen besonders wertvollen Beitrag, indem sie junge Menschen befähigen, sich eine eigene Meinung zu bilden, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und Verantwortung zu übernehmen.

Politische Bildung in einer polarisierten Welt – Herausforderungen für Schweizerschulen

Am Podium nahmen teil (v. l. n. r.): Moderator Damian Haas; Manuela Merki, Präsidentin Schweizerschulen Brasilien; Prof. Dr. Monika Waldis, Leiterin Zentrum Politische Bildung und Geschichtsdidaktik PH FHNW; Daniel Franz, Rektor Kantonschule Baden; Fiona Rachelly, Lehrperson und Trainerin bei Campus Demokratie.

Wie kann Schule junge Menschen auf ein Leben in der Demokratie vorbereiten? Welche Strukturen braucht es, damit Demokratie nicht nur gelehrt, sondern gelebt wird? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des angeregten Podiumsgespräches, das von SRF-Redaktor Damian Haas moderiert wurde. Nachfolgend einige Erkenntnisse aus der Diskussion:

Solide Lehrer:innenbildung als Fundament
Die Ausbildung von Lehrpersonen muss solide sein, damit politische Bildung sicher, neutral und interessant vermittelt werden kann. Politische Themen erfordern didaktisches Know-how, pädagogisches Fingerspitzengefühl und Raum für kollegialen Austausch.

Demokratiebildung als komplexes Unterfangen
Demokratiebildung ist mehr als Wissensvermittlung über Staatsstrukturen. Sie ist ein komplexes pädagogisches Unterfangen, das interdisziplinäre Zusammenarbeit, kontinuierliche Reflexion und gelebte Praxis erfordert.

Prävention und demokratisches Zusammenleben
Schulen sind soziale Lernorte. Sie müssen Jugendliche in demokratischem Zusammenleben schulen – durch Prävention, Weiterbildung und Einbindung aller Stakeholder, auch der Eltern. Eine demokratische Schulkultur lebt von Vertrauen, Respekt und der Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten.

Zeit und Lernkultur: Werte brauchen Raum
Werte und Lernkultur sind keine Nebensachen – sie sind entscheidend für die Verantwortung und Selbstständigkeit der Lernenden. Schulen müssen bewusst Zeit schaffen für Gespräche über Haltungen, Normen und gemeinsame Regeln. Nur so entsteht eine Lernkultur, die politische Bildung nicht nur lehrt, sondern lebt.

Vision: Schule von morgen
Das Lernen steht im Zentrum – gefördert durch individuelle Lernwege, echte Partizipation und Raum für unterschiedliche Haltungen. Die Schule von morgen gibt Lehrpersonen mehr Zeit und Ressourcen.

Weiterbildung für Schulvorstände und Schulleitungen

An den Weiterbildungstagen zu den Themen «Führen mit Weitblick und Wirkung» und «Spracherwerb» nahmen auch dieses Jahr wieder Schulleiter:innen aus dem Inland teil. Dies ermöglichte einen bereichernden Austausch unter den Schulverantwortlichen.

Eröffnet wurden die Weiterbildungstage mit einem Input-Referat zum Thema betriebliche Gesundheitsförderung in Schulen von Titus Bürgisser, Leiter Zentrum Gesundheitsförderung der Pädagogischen Hochschule Luzern.

Gesundheit stärkt Bildung

Bürgisser illustrierte die salutogene Haltung, bzw. eine ressourcenorientierte und lebensbejahende Grundeinstellung, die fragt: «Was hält mich und andere gesund?». Er zeigte dabei, dass es qualitätsrelevant ist, wie es den Lehrpersonen und Schüler:innen geht. Die daraus entwickelten Empfehlungen führen zu gesunden Mitarbeitenden, die den Schlüssel der Schulqualität bilden: Gesundheit stärkt Bildung.

Titus Bürgisser von der Pädagogischen Hochschule Luzern referiert zu betrieblicher Gesundheitsförderung an Schulen.

Auf das Input-Referat folgte eine interaktive Diskussion zur betrieblichen Gesundheitsförderung mit dem Redner Titus Bürgisser und Dr. Yves Schafer, Abteilungsleiter Schulleitung und Schulentwicklung der PH Luzern.

Die grössten Herausforderungen sehen die Schulverantwortlichen im Austausch mit sehr anspruchsvollen Eltern sowie den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen von Schweizer und lokalen Lehrpersonen. Die Schulleitungen sind somit gefordert, die verschiedenen Auffassungen und Meinungen zusammenzuführen, damit eine gesunde Schulkultur gefördert wird.

Zwei Workshop-Sessions rundeten das Thema «Führen mit Weitblick und Wirkung» ab:

  • «Gesunde Schule – gesundes Team»: Schulkultur und Teamentwicklung Wie gestalte ich eine gesundheitsfördernde Schulkultur?
  • «Schule mit Profil»: Wie komme ich zu einem Schulprofil für meine Schule und woran erkenne ich dieses?

In kurzen Good-Practice-Beispielen wurden verschiedene schulspezifische Themen anhand der Erfahrungen an den Schweizerschulen in Barcelona und Lima sowie in der Volksschule Zuchwil illustriert:

  • Governance – Cristina de Seras, Präsidentin Schweizerschule Barcelona, und Pascal Affolter, Direktor Schweizerschule Barcelona, erklärten aus welchen Fachpersonen ihr Schulvorstand zusammengesetzt ist und welche Aufgaben ein Schulvorstand hat. Zentral für eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und der Schulleitung sind klar verteilte und definierte Kompetenzen und Aufgabengebiete. Wichtig ist, dass der Vorstand auf der strategischen Ebene bleibt. Dies alles führt zu Vertrauen, professioneller Führung, Effizienz und zu einer guten Schule.
Pascal Affolter, Schulleiter Schweizerschule Barcelona, und Cristina de Sera, Schulpräsidentin Barcelona, erläutern die Governance an ihrer Schule.
  • Ressource Lehrperson – Daniel Zehnder, Direktor Schweizerschule Lima, erläuterte, was die Schule unternimmt, um ihre Lehrpersonen zu stärken. Wichtig sind dabei u. a. Flexibilität, das Arbeitsumfeld, die emotionale Unterstützung und Förderung der Gemeinschaft: Es sind oft die kleinen Dinge, die den grossen Unterschied ausmachen. Ressourcen sind nicht einfach Materialien, sondern alles, was Lehrpersonen hilft, ihren Unterricht wirksamer, strukturierter und nachhaltiger zu gestalten.
  • Mehrsprachigkeit und immersiver Sprachunterricht – Stephan Hug, ehemaliger Lehrer in Barcelona und heute Schuldirektor Volksschule Zuchwil im Kanton Solothurn, berichtete über die öffentliche Schule, die er seit fast zwanzig Jahren leitet. Die fast tausend Schüler:innen sprechen als Erstsprache eine von über vierzig Sprachen. Somit ist der Unterricht Deutsch als Zweitsprache besonders wichtig und bis zur 3. Klasse in den Stundenplan integriert.

    Auch werden Deutschkurse für die Eltern angeboten. Ab der 3. Klasse wird Französisch immersiv fächerübergreifend unterrichtet – dies fördert die Lernmotivation der Schüler:innen. Natürlich fehlt auch Englischunterricht mit sogenannten Sprachinseln nicht. Die Schule setzt auf Partizipation der Schüler:innen und Eltern.
Stephan Hug, Schuldirektor Volksschule Zuchwil, beeindruckt die Anwesenden mit der enormen Sprachenvielfalt an seiner Schule.

Spracherwerb und Mehrsprachigkeit

Ein zweites Weiterbildungsthema bildete der Spracherwerb mit Fokus auf Mehrsprachigkeit und den Quereinstieg neuer Schüler:innen.

Christian Vogel, Direktor Schweizerschule Bangkok, illustrierte die Förderprogramme Deutsch für seine Schüler:innen, die aus vielen unterschiedlichen Herkunftsländern stammen. Deutsch ist die Hauptunterrichtssprache an der Schule, welche die bilinguale Schweizer Maturität anbietet. Die Schule verfügt über ein Team spezialisierter DaZ-/DaF-Lehrpersonen (Deutsch als Zweit- bzw. Fremdsprache) und logopädische Unterstützung.

Für Kinder im Kindergarten/Vorschule wird ein immersives sogenanntes Sprachnest und für die 1.-3. Klässler:innen das sogenannte Sprachland angeboten: Diese temporäre intensive Sprachförderung ermöglicht den Kindern einen reibungslosen Übergang in die Regelklassen und schafft eine solide Grundlage für ihr zukünftiges Lernen an der Schule.

Prof. Dr. Till Woerfel, Professor für Fachdidaktik Deutsch als Zweitsprache an der PH Zürich, stellte seine Keynote zum Thema Spracherwerb unter das Motto Einsteigen, lernen, teilhaben. Er erläuterte forschungsbasierte Perspektiven auf den Deutscherwerb in mehrsprachigen Kontexten und die schulische Integration von sprachlichen Quereinsteiger:innen.

Spracherwerb ist ein dynamischer Prozess

Für den Sprachwissenschaftler ist der Ausgangspunkt die quantitative und qualitative Qualität des sprachlichen Inputs. Studien zeigen, dass Kinder in Familien mit hohem akademischem Hintergrund deutlich mehr Wörter hören und dadurch bessere Sprachkompetenzen entwickeln.

In der Schule zeigen Wirkungsstudien: Sprachsensibler Fachunterricht unterstützt sprachliche und/oder fachliche Leistungen nachweislich besser als regulärer Unterricht. Woerfel illustrierte verschiedene mehrsprachige Schulmodelle und folgerte daraus einige Leitgedanken wie Integration statt Separierung und Mehrsprachigkeit als Ressource nutzen.

Abschliessend fasste er zusammen, dass die Sprachbildung im Kontext Mehrsprachigkeit eine gemeinsame Querschnittsaufgabe von Schule und Unterricht ist und sich an alle Lernenden richten muss. Wichtig dabei sind auch: Berücksichtigung mehrkultureller Perspektiven, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachleute und der Einsatz von digitalen Technologien als Unterstützung für Lehrpersonen und Lernende.

Wie gelingt der Quereinstieg bzw. die Integration von Neuzugewanderten?

Prof. Dr. Claudio Nodari, Leiter Institut für Interkulturelle Kommunikation, referierte zu den Prinzipien des natürlichen Spracherwerbs und der didaktischen Steuerung. Er sagte, dass die Menschen genetisch dafür bestimmt sind, Sprachen zu lernen und dies primär über das Gehör.

«Kinder brauchen Geschichten.» Davon ausgehend formulierte Nodari, dass Menschen Sprachen nicht durch isoliertes Wörtertraining erwerben, sondern durch das Memorieren von Formulierungen in konkreten Sprachhandlungssituationen (sogenannten Chunks). Die wichtigste Erwerbsstrategie ist die Imitation von gehörten Formulierungen und Sätzen.

Er ging auch auf die Voraussetzungen für einen erfolgsversprechenden Quereinstieg ein. Wichtig dabei ist, dass die Schule ein klares, realistisches Konzept für die Integration von Quereinsteigenden ohne Kenntnisse der Schulsprache hat.

Die Weiterbildung der Lehrpersonen aller Klassen in den Bereichen Zweitspracherwerb und Didaktik ist dabei ebenso wichtig. Als Zukunftsvision wünscht sich Prof. Dr. Nodari einen wöchentlichen Online-Austausch zwischen Schüler:innen der Schweizerschulen im Ausland und Schulen in der Schweiz.

«Kinder brauchen Geschichten.»

Prof. Dr. Claudio Nodari

Die diesjährige Weiterbildung mit den zwei Themenbereichen zeichnete sich durch ihre Intensität aus und wurden von den Teilnehmenden als sehr bereichernd erlebt. Besonders geschätzt wurden die anwendungsnahen Referate in den Good-Practice-Sessions und der rege Austausch unter den Teilnehmenden und Referent:innen.

Bundesamt für Kultur im Austausch mit den Schulverantwortlichen

Innerhalb der Bundesverwaltung betreut das Bundesamt für Kultur (BAK) das Dossier Schweizerschulen im Ausland. An der Konferenz findet jeweils ein direkter Austausch mit den Schulverantwortlichen statt.
 
David Vitali, Leiter Direktionsbereich BAK, und Fiona Häusler, BAK, berichteten über die Schweizerschulbesuche seitens BAK im letzten Schuljahr in Barcelona, Italien, Brasilien und Kolumbien sowie über das Entlastungspaket 27 und den Auswirkungen dieser Sparmassnahmen auf die Schweizerschulen im Ausland.
 
Den Fokus bildete die Information und Diskussion über die parlamentarische Initiative bzw. Änderung des Schweizerschulengesetzes. Die Initiative soll es ermöglichen, Schweizer Lehrpersonen und Schulleitungspersonen künftig zentral in der Schweiz anzustellen und an vom Bund anerkannte Schweizerschulen im Ausland zu entsenden. Dadurch sollen die Anstellungsbedingungen der Schweizer Lehrkräfte verbessert, deren Rekrutierung erleichtert und die Mobilität gefördert werden. Die Vernehmlassung dazu startete am 6. Juli und dauert bis zum 1. November 2026.

Jahreskonferenz 2026 der Schweizerschulen im Ausland

Generalversammlung des Dachverbandes educationsuisse

Während der Konferenz fand auch die Generalversammlung des Vereins educationsuisse, geleitet von Präsident Heinz Rhyn, statt. Die Mitglieder, darunter alle Schweizerschulen im Ausland, genehmigten den Jahresbericht und die Jahresrechnung 2025 sowie das Budget 2026. Das ausscheidende Vorstandsmitglied Jörg Wiedenbach wurde gebührend verabschiedet. Als Nachfolger im Vorstand educationsuisse wurde Christoph Glatz gewählt, der auch die Nachfolge von Wiedenbach als Generaldirektor der Schweizerschulen Mexiko antreten wird.
 
Save the date: Die nächste Jahreskonferenz der Schweizerschulen im Ausland findet vom 5. bis 7. Juli 2027 im Kanton St. Gallen, Patronatskanton der Schweizerschule in Rom, statt!

Fotos: ©Adrian Moser, educationsuisse

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