Budgetkürzungen gefährden die Zukunft der Schweizerschulen im Ausland: Trotz bereits beschlossener Einsparungen sollen die Bundesbeiträge ab 2027 weiter reduziert werden. Der Zahlungsrahmen würde von ursprünglich CHF 22,4 Millionen auf nur noch CHF 15,8 Millionen pro Jahr sinken. Educationsuisse warnt davor, dass dadurch 4 bis 7 der 16 vom Bund anerkannten Schweizerschulen in ihrer Existenz gefährdet werden und ein über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk irreversibel Schaden nehmen könnte.
Keine Abschaffung auf Raten
Der Transferkredit A231.0124 «Förderung der Ausbildung junger Auslandschweizer:innen» sichert ein bewährtes Instrument schweizerischer Bildungs-, Kultur- und Aussenpolitik. Die Schweizerschulen im Ausland leisten ihren Beitrag zu den Sparmassnahmen des Bundes:
- Bereits mit der Kulturbotschaft 2025-2028 wurde ihr Zahlungsrahmen um CHF 5.6 Mio. beziehungsweise mehr als 6% reduziert.
- Mit dem Entlastungspaket 2027 kamen nach intensiver parlamentarischer Debatte zusätzliche Kürzungen hinzu, die sich kumuliert auf CHF 5.2 Mio. belaufen: CHF 1.8 Mio. im Budgetjahr 2027 und weitere CHF 3.4 Mio. im Budgetjahr 2028.
Nun sieht der Voranschlag 2027 mit Finanzplan 2028-2030 nochmals tiefere Beträge im Umfang von CHF 2.2 Mio. pro Jahr vor. Das ist keine Sparpolitik mit Augenmass mehr.
Das ist Salamitaktik: Scheibe für Scheibe werden die Schweizerschulen im Ausland geschwächt, bis ein weltweit gewachsenes Netzwerk irreversibel zerstört und abgeschafft wird.
Der Kern des Problems
Das Bundesamt für Kultur verfügt über ein jährliches Kulturförderungsbudget von rund CHF 270 Mio. Von diesem machen die Schweizerschulen einen Anteil von 7% aus.
Die neu geplanten Kürzungen im Voranschlag 2027 respektive Finanzplan 2028-2030 sollen erneut zu einem wesentlichen Teil zulasten der Schweizerschulen im Ausland gehen – obwohl diese bereits signifikante Kürzungen tragen. Damit würde erneut ein kleiner, aber hochwirksamer Kredit überproportional belastet.
Der durchschnittliche Zahlungsrahmen der letzten Kulturbotschaft von CHF 22.4 Mio. pro Jahr würde damit auf CHF 15.8 Mio. sinken. Das entspricht einer Kürzung von CHF 6.6 Mio. beziehungsweise mehr als einem Viertel dieses ursprünglichen Budgets. Für die betroffenen Schulen ist das nicht mehr verkraftbar.

Die politische Konsequenz
Das Parlament hat im Entlastungspaket 2027 einen Kompromiss beschlossen: CHF 19.0 Mio. für 2027 und CHF 18.0 Mio. ab 2028. Der neue Voranschlag und der Finanzplan unterschreiten diesen parlamentarischen Kompromiss erneut: CHF 18.4 Mio. für 2027 und nur noch CHF 15.8 Mio. ab 2028.
Damit entsteht der Eindruck, dass die Schweizerschulen im Ausland schrittweise ausgehungert werden sollen. Eine solche Abschaffung auf Raten missachtet den parlamentarischen Willen, wie er sich in den Beschlüssen zum Entlastungspaket 2027 gezeigt hat.
Was auf dem Spiel steht
Vier bis sieben der 16 Schweizerschulen im Ausland wären in ihrer Existenz gefährdet. Schulschliessungen lassen sich nicht rückgängig machen. Wenn Standorte, Lehrpersonen, Elternvertrauen und lokale Netzwerke verloren gehen, ist der Schaden irreversibel.
Mit jeder weiteren Kürzung wird nicht nur ein einzelner Kredit reduziert. Es wird ein ganzes Netzwerk zerstört: Schulen, Patronatskantone, Alumni, lokale Partner, Schweizer Unternehmen, Diplomatie und internationale Bildungsbeziehungen.
Was die Schweiz gewinnt
Die Schweizerschulen im Ausland vermitteln Schweizer Bildungsqualität, Landessprachen, Werte und Verlässlichkeit an rund 8’000 Kinder und Jugendliche in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Sie stärken Swissness dort, wo Schweizer Diplomatie, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur auf Vertrauen angewiesen sind.
Die Schweizerschulen im Ausland sind ein Schweizer Erfolgsmodell: Eltern und lokale Trägerschaften tragen rund 4/5 der Gesamtkosten. Die Bundesmittel lösen also ein Mehrfaches an lokaler Finanzierung, Engagement und Wirkung aus.
Planungssicherheit ist entscheidend
Schulen im Allgemeinen und die Schweizerschulen im Ausland im Besonderen müssen langfristig planen können: pädagogische Angebote, Lehrpläne, Schulentwicklung, Infrastruktur und vor allem die Anstellung qualifizierter Lehrpersonen und die Sicherung für Kinder und Eltern von langjährigen Bildungswegen.
Jährlich wechselnde finanzielle Rahmenbedingungen sind für Schulen existenzgefährdend. Wer Verlässlichkeit, Qualität und Swissness im Ausland erhalten will, muss den Schulen verlässliche und langfristig planbare Bundesbeiträge sichern.
1Fortschreibung des Niveaus nach EP27. Quellen: Kulturbotschaft 2025-2028; EP27; BAK-Faktenblatt vom 19.08.2026. Die Schweizerschule Madrid gehört ab 2026 nicht mehr zum Netzwerk der Schweizerschulen. Sie wurde der Swiss International School verkauft. Für ihre Lehrpersonen werden keine Subventionen mehr ausgerichtet.